Pressemitteilung zum 6. Jahrestag von Ayotzinapa– Das Verbrechen muss umfassend aufgeklärt werden

Das gewaltsame Verschwindenlassen von 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa bleibt auch nach sechs Jahren straflos. Durch illegale Waffenexporte nach Mexiko trägt Deutschland eine Mitverantwortung.

Stuttgart, 24. September 2020

Es herrscht nach wie vor Ungewissheit. Sechs Jahre nach dem gewaltsamen Verschwindenlassen von 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa wissen die Angehörigen noch immer nicht, warum das Verbrechen begangen wurde und wer die Täter sind. Vom 26. auf den 27. September 2014 verschleppte die örtliche Polizei in Iguala im südwestlichen mexikanischen Bundesstaat Guerrero die 43 Studenten, tötete sechs Menschen und verletzte 40 weitere Personen. Welche Rolle das Militär dabei spielte, ist ungeklärt. Erst von zwei der verschwundenen Studenten wurden die sterblichen Überreste gefunden.

„Die Familienangehörigen suchen weiterhin nach Wahrheit und Gerechtigkeit“, sagt Sofia de Robina, Anwältin des Menschenrechtszentrums „Miguel Agustín Pro Juárez“, das die Familienangehörigen juristisch begleitet. Nach Jahren der politischen Verschleierung gebe es aufgrund ihres Drucks zaghafte, doch unzureichende Fortschritte.

Die aktuelle Regierung unter Andrés Manuel López Obrador setzte eine Wahrheitskommission ein und ließ die internationale Expertenkommission (GIEI) der Interamerikanischen Menschenrechtskommission wieder ins Land. Diese hatte unter der Vorgängerregierung von Enrique Peña Nieto das Mandat für eine unabhängige Untersuchung des Verbrechens erhalten, ihre Arbeit nach massiver Behinderung und Diffamierungen 2016 jedoch eingestellt. Die GIEI hatte herausgefunden, dass die mexikanischen Behörden nur unzureichend ermittelten und bewusst eine falsche Interpretation der Ereignisse durchsetzen wollten, die sie als „historische Wahrheit“ bezeichneten. Demnach sollen Mitglieder des lokalen Drogenkartells „Guerreros Unidos“ die 43 Lehramtsstudenten lebend auf einer Müllkippe verbrannt haben. Im Juli dieses Jahres wurde diese staatliche Lüge erneut widerlegt, als die sterblichen Überreste von Christian Alfonso Rodríguez – einem der verschwundenen Studenten – identifiziert wurden.

Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko fordert eine umfassende Aufklärung des Falls, bei dem die Polizei nachweislich G-36-Gewehre der Firma Heckler & Koch verwendete. „Durch die illegalen Waffenexporte trägt auch Deutschland eine Mitverantwortung“, sagt Carola Hausotter, die Koordinatorin der Menschenrechtskoordination. „Die anhaltende Straflosigkeit ist nicht nur für die Angehörigen unerträglich, sondern verhindert zudem, derartige Verbrechen zukünftig zu unterbinden. Deutschland sollte die Aufklärung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.“ Gewaltsames Verschwindenlassen ist in Mexiko ein verbreitetes Verbrechen. Laut offiziellen Zahlen gelten derzeit mehr als 73.000 Personen als vermisst. In der Regel kommen die Täter straflos davon. Ayotzinapa steht exemplarisch für das Schicksal vieler weiterer Verschwundener in Mexiko.

Kontakt für weitere Informationen:

Tobias Lambert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, Tel: +49 (0)157 – 71 73 08 93 / presse@mexiko-koordination.de

Dr. Carola Hausotter, Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, Tel: +49 (0)711 57 64 68 79 / info@mexiko-koordination.de

Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko ist ein Netzwerk von:

Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, Amnesty International Deutschland e.V., Brot für die Welt, CAREA e.V., Initiative Mexiko, Mexiko-Initiative Köln/Bonn, México vía Berlin, Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR, Missionsprokur der deutschen Jesuiten, Missionszentrale der Franziskaner, Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V., Pacta Servanda e.V., Partner Südmexikos, e.V., pax christi Kommission Solidarität Eine Welt, Promovio e.V. und Zapapres e.V.

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