Pressemitteilung: Fußball-WM 2026: Football is coming home – und wann die 134.000 Verschwundenen?

Foto: Carlos Ogaz/Frayba

Menschenrechtsorganisationen und Angehörige von Verschwundenen kündigen Proteste zum Auftakt der Fußballweltmeisterschaft 2026 an. Mitgastgeber Mexiko darf das Recht auf freie Meinungsäußerung und Protest nicht einem makellosen WM-Image unterordnen, mahnt die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko.

Berlin, 9. Juni 2026. Es wird eine WM-Eröffnung unter hohen Sicherheitsvorkehrungen: Zehntausende mexikanische Sicherheitskräfte sollen am 11. Juni 2026 den reibungslosen Ablauf des WM-Auftaktspiels zwischen Mexiko und Südafrika in Mexiko-Stadt gewährleisten. Angehörige von Verschwundenen und Menschenrechtsorganisationen haben angekündigt, bei dem Sportereignis ihren Forderungen nach Wahrheit und Gerechtigkeit international Gehör zu verschaffen. Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko (DMRKM) ruft die mexikanische Regierung in diesem Zusammenhang dazu auf, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Protest während des Turniers uneingeschränkt zu garantieren.

Mit Sorge vernimmt das Menschenrechtsnetzwerk in diesem Zusammenhang Berichte über restriktive Maßnahmen im Vorfeld des Turniers.  Zivilgesellschaftliche Initiativen kritisieren die Vertreibung von Geflüchteten und Obdachlosen aus dem Umfeld der Austragungsorte und die drastische Einschränkung der Arbeitsmöglichkeiten ambulanter Händler*innen zugunsten von FIFA-Unternehmen. Darüber hinaus beschränkt die weiträumige Absperrung des öffentlichen Raums rund um die Stadien den Zugang für Menschen ohne Tickets und somit auch die Protestmöglichkeiten. „Fußball ist ein toller Sport, aber die WM darf nicht auf die Kosten der Bevölkerung vor Ort und der Menschenrechte gehen. Protest dagegen muss möglich sein – auch in Stadionnähe“, so Jutta Klaß von Zapapres e.V., Mitgliedsorganisation der DMRKM.

Angehörige von Verschwundenen kritisieren Prioritätensetzung

Es darf nicht sein, dass unsere verschwundenen Angehörigen unsichtbar gemacht werden, nur um das WM-Image zu pflegen“ – Juan Carlos Lozada, Movimiento por Nuestros Desaparecidos en México

Auch Angehörige von Verschwundenen berichten von der Entfernung von Vermisstenplakaten und Protestslogans im Umfeld der WM-Stadien. In Mexiko gelten nach aktuellem Stand über 134.000 Menschen als verschwunden. „Es darf nicht sein, dass unsere verschwundenen Angehörigen unsichtbar gemacht werden, nur um das WM-Image zu pflegen“, kritisiert Juan Carlos Lozada, Sprecher des „Movimiento por Nuestros Desaparecidos en México“, einem Zusammenschluss von über 90 Angehörigenorganisationen. „Jedes entfernte Vermisstenplakat aus dem öffentlichen Raum ist ein Versuch, eine grausame Realität zu vertuschen – eine Leere, die weiterhin schmerzt, und eine Erinnerung, die wir Familien uns weigern aufzugeben. Wir Familien fragen uns, warum nicht dieselbe Entschlossenheit und derselbe massive Ressourceneinsatz, die heute für die WM-Sicherheit mobilisiert werden, für die Suche nach den Menschen aufgebracht werden, die uns immer noch fehlen.“

Mexikos Regierung pflegt die Fassade, statt Krise anzuerkennen

Françoise Greve, Koordinatorin der DMRKM, sieht darin auch Parallelen zum Vorgehen des mexikanischen Staats im internationalen Kontext: „Leider beobachten wir nicht nur rund um die Weltmeisterschaft, dass der mexikanischen Regierung eine makellose Fassade wichtiger ist, als das Problem tatsächlich anzugehen. Erst im April hat Mexiko einen Bericht des UN-Komitees gegen Verschwindenlassen energisch zurückgewiesen, demzufolge Menschen in Mexiko systematisch – und auch unter Beteiligung und Duldung von Sicherheitskräften – verschwinden. Das ist tragisch, denn der erste Schritt zur Beendigung dieser Praxis ist die Anerkennung des Ausmaßes der Krise und der staatlichen Verantwortung.“

Angesichts der jüngsten Besuche von politischen Delegationen um Umweltminister Carsten Schneider und Außenminister Johann Wadephul in Mexiko ruft die DMRKM die Bundesregierung dazu auf, die vertiefte Partnerschaft auch zu nutzen, um das Thema gewaltsames Verschwindenlassen bei mexikanischen Regierungsvertreter*innen aktiv anzusprechen und sich mit Vertreter*innen der mexikanischen Zivilgesellschaft auszutauschen.

„Es ist wichtig, dass die Bundesregierung Mexiko Unterstützung bei der Bewältigung dieser Krise anbietet und zugleich betont, dass es bei der Verhandlung des Themas vor den UN nicht um ein Tribunal über das Land geht, sondern um die Frage, wie die internationale Gemeinschaft Mexiko bei der Bewältigung dieser Krise partnerschaftlich unterstützen kann“, so Greve.

Ansprechperson:

Nikolas Grimm, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko

Tel: +49 (0)160 92832791/ presse@mexiko-koordination.de

Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko ist ein Netzwerk von:
Amnesty International Deutschland e.V., Bischöfliche Aktion Adveniat e. V., Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V., Brot für die Welt Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V., CAREA e.V., Franziskaner Helfen, Initiative Mexiko (INIMEX), Jesuitenweltweit, Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ e.V., México vía Berlin e.V.,  Initiative Menschenrechte Mexiko Köln, Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V., Pacta Servanda e.V., Partner Südmexikos e.V., pax christi Kommission Solidarität Eine Welt, Promovio e.V., Welthaus Bielefeld e.V., Zapapres e.V.

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